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Verliebt in den besten Freund

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Quelle:  http://www.welt.de/wissenschaft/article1096559/
Wenn_man_sich_in_den_besten_Freund_verliebt.html


Man sagt, dass es zwischen Mann und Frau keine Freundschaft gibt, denn einer will immer mehr. Erst wenn die Liebe durchgelebt ist, beginnt die Freundschaft.

Wenn man sich in den besten Freund verliebt




Platonische Freundschaften sind oft gar nicht so platonisch. Eine Umfrage zeigt, dass jeder vierte „beste Kumpel“ mehr will. Entdeckt einer von beiden seine Gefühle für den anderen, wird es für die Beteiligten alles andere als leicht.

Es könnte alles so einfach sein: Zwei Leute lernen sich kennen, mögen sich und verbringen jede freie Minute miteinander. Er hört sich geduldig ihre Probleme an, sie muntert ihn auf, wenn er Liebeskummer hat – so, wie es gute Freunde eben füreinander tun. Doch mit der Harmonie kann es schnell vorbei sein, wenn einer von beiden plötzlich mehr als nur Freundschaft für den anderen empfindet.

Eine Umfrage ergab: Ein Viertel der Single-Männer hegen ihrer besten Freundin gegenüber mehr als rein freundschaftliche Gefühle. Elf Prozent der Single-Frauen geht es genauso. Psychologen sprechen vom Harry-und-Sally-Syndrom.

Allerdings gibt es hier einen interessanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Viele Männer finden ihre platonische Freundin attraktiv; Frauen dagegen bezeichnen ihren platonischen Freund nur selten als attraktiv. Sie scheinen einen Unterschied zwischen potenziellem Partner und platonischem Freund zu machen.

Liebe gefährdet die Freundschaft

„Wer sich in den besten Freund oder die beste Freundin verknallt, ist oft erst mal in einer Zwickmühle“, sagt Wolfgang Bergmann, Psychologe aus Hannover. „Denn eines ist klar: Steht man zu seinen Gefühlen, wird sich einiges ändern – allerdings nicht unbedingt zum Positiven.“ Jungs und Mädchen, die in dieser Situation sind, denken deshalb am besten zunächst allein über ihre Gefühle nach, ehe sie dem anderen reinen Wein einschenken. Ist es wirklich Liebe, oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter?

„Viele machen in solchen Situationen gerade eine schwere Zeit durch – haben Stress zu Hause, in der Schule oder im Job. Sie sind frustriert, weil irgendetwas nicht so läuft“, sagt Bergmann. Deshalb fühlen sie sich in Gegenwart des besten Kumpels ganz besonders wohl. Er oder sie strahlt Ruhe aus, man fühlt sich bei ihm geborgen. „Und diese Empfindungen werden gern mit Liebe verwechselt.“

Manchmal entdeckt man den besten Freund neu

Laut Manuel Tusch haben plötzlich auftretende Gefühle für den besten Freund oft mit einer Umbruchphase zu tun, in der einer von beiden gerade steckt: „Der gute Kumpel hat vielleicht gerade seinen ersten Job angetreten und wirkt dadurch auf einmal viel reifer und verantwortungsbewusster“, sagt der Paartherapeut aus Köln. „Darum sieht ihn seine beste Freundin mit ganz anderen Augen. Daraus können sich auf jeden Fall Gefühle entwickeln.“

Ob diese Gefühle mit Liebe zu tun haben, zeige die Leidenschaft, mit der man sich zum anderen hingezogen fühlt. „Wenn ich bereit bin, bestimmte Verhaltensweisen an meinem besten Kumpel zu tolerieren und sogar Dinge plötzlich klasse finde, die er mag, dann geht das schon in die richtige Richtung“, ist sich Tusch sicher. Aber die Grenzen sind fließend. Natürlich könne es sein, dass man sich wie aus heiterem Himmel in den besten Freund verliebt. „Man kann Leuten allerdings nicht unbedingt dazu raten, dem anderen einfach gleich alles zu gestehen.“

Karsten Noack, Kommunikationstrainer aus Berlin, warnt ebenfalls davor, mit der Tür ins Haus zu fallen. „Viel besser ist es, durch einen Trick herauszufinden, wie das Objekt der Begierde zu dem Thema steht.“ Eine Möglichkeit sei, über andere Paare zu reden, die vorher befreundet waren.

„An der Reaktion des Freundes lässt sich meistens schon ablesen, wie er darüber denkt: Lehnt er so etwas ab, sagt das eigentlich alles.“ Steht er der Sache offen gegenüber, lohnt es sich, konkreter zu werden: „Man kann dann ja einfach mal die Frage stellen: Könntest du dir das bei uns auch vorstellen?“, glaubt der Paarpsychologe Noack.

Auf keinen Fall falsche Hoffnungen wecken

Die Umschwärmten haben es ebenfalls häufig nicht leicht: „Gesteht mir meine beste Freundin ihre Liebe, ist die Situation auch für mich verzwickt“, sagt Karsten Noack. „Ich muss ihr versichern, wie wichtig die Freundschaft für mich ist, und klarmachen, dass eine Partnerschaft nicht automatisch besser sein muss.“

Auf keinen Fall dürften falsche Hoffnungen geweckt werden. Manuel Tusch sieht in Beziehungen, die aus engen Freundschaften heraus entstanden sind, sogar Vorteile: „Beide haben von Anfang an viel Vertrauen zueinander und konnten sich schon im Alltag erleben. Sie wissen also, worauf sie sich einlassen.“

14. Mai 2011