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Scheiden tut weh – Fortsetzung

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Bei einer Freundin von mir war die Scheidung ein verschärfter „Rosenkrieg“ und selbst nach Jahren, gibt es einfach keine Ruhe.

Sie lernte ihren „Traummann“ mit 18 Jahren kennen und nach 4 Jahren wurde geheiratet. Ich war damals Trauzeugin und traf meine Freundin regelmäßig 1x in der Woche zum talken. Zu Anfangs Ihrer Ehe war sie total happy und erzählte mir oft von den „süssen“ kleinen Marotten, die ihr Gatte so an sich hatte. Das fing an wie er die Suppe schlürfte über das Putzen seiner Nase, bis hin zum angenehmen leisen Schnarchen. Sie bezeichnete das immer als goldige Angewohnheiten. Zwischenzeitlich bekamen sie noch eine Tochter und in meinen Augen war es die typische Familie Sonnenschein. Irgendwann drehte sich das Ganze und genau diese besagten Marotten fingen an sie zu nerven. Sie könne das unangenehme Schlürfen bei der Suppe und dem Kaffee nicht mehr hören. Es sei einfach nur ekelig, genau wie das laute Schnäuzen beim Nase putzen. Und erst dieses röchelnde Schnarchen… ganz schrecklich.

Mir fällt dazu ein Sprichwort ein:

Die Liebe geht nicht an großen Dingen zugrunde. Meist sind es die vielen Kleinigkeiten, die wir zu Anfangs noch so entzückend fanden. 🙂

Bei unseren Treffen zog sie immer öfter vom sprichwörtlichen Leder und hatte kein anderes Thema mehr drauf. Inzwischen war noch eine Nachbarin regelmäßig bei unseren Talk-Treffen mit dabei. Unsere Freundin war wieder einmal ziemlich aufgemischt gegen Ihren Mann und sagte fast worgetreu: „Wenn ich meinen Alten doch endlich loshätte. Der soll sich ne Freundin suchen und mir meine Ruhe lassen.“ Ich versuchte sie zu beruhigen, während die Nachbarin auf einmal recht interessiert wirkte. Sie fing an, meine Freundin mit Fragen zu löchern und die beantwortere alles nur allzu gerne. Die Schimpftiraden wurden zunehmend heftiger.

Nach einigen Monaten sagte dann ihr Mann: „Es ist soweit, Du hast mich los!“ Er hatte nämlich inzwischen ein Verhältnis mit der Nachbarin angefangen und die hielt ihn immer schön auf dem Laufenden, was seine „bessere Hälfte“ so alles über ihn erzählte. Meine Freundin wollte die Ehe zwar erhalten, aber da ging nichts mehr. Sie zog dann mit ihrer Tochter, sie war damals 9 Jahre alt, erst einmal zu ihrer Schwiegermutter. Nach 3 Monaten  zog sie dann in eine eigene kleine Wohnung. Anstatt sich mit dem neuen Leben vertraut zu machen und loszulassen, ging der ganze Stress jetzt erst richtig los. Sie verfiel in einen dermaßen starken Hass, da konnte man echt Angst bekommen.

Es wurde anwaltlich geregelt, dass ihre Tochter jedes zweite Wochenende bei ihrem Vater verbringen durfte und auch jeweils die Hälfte der Schulferien.  Diese Regelung scheint auch der Normalfall zu sein. Meine Freundin versuchte ständig ihre Tochter gegen den Vater aufzuhetzen und das auf übelste Weise. Ich konnte sie zwar bedingt verstehen, aber nicht die Reaktionen gegenüber der Tochter. Immer wenn das Mädchen vom Vater-Wochenende zurückkam, wurde sie stundenlang befragt wie das Wochenende abgelaufen ist mit diesem ach so grausamen und widerlichen Vater. Das Mädchen wurde zunehmend verschlossener und auch die schulischen Leistungen wurden schwächer. Meine Freundin fing an zu trinken und dann transportierte sie ihre ganze Wut und den Frust auf ihre Tochter.

Ich wusste, dass der Vater sich nie so benehmen würde und er war immer daran interessiert, dass seine Tochter mit den Konflikten nicht belastet wird. Ich fragte die Tochter mehrmals, warum sie nicht zu ihrem Vater geht. Sie sagte nur immer, dass sie ihre Mutter nicht alleine lassen kann… und das mit 9 Jahren. Sie erzählte ihrem Vater nie, was sich zu Hause mit der Mutter abspielte, um sie zu schützen. Das Mädchen hatte niemanden zum reden, einfach nur schlimm. Inzwischen ist sie 19 Jahre alt und ist mit 18 ausgezogen. Wer weiss schon genau, welchen Schaden sie erlitten hat. Ich versuchte oft mit meiner Freundin darüber zu reden, wurde dann aber immer regelrecht abgewürgt, dass es wohl ihre Sache ist, wie sie ihr Kind erzieht.

Seit 3 Jahren haben wir keinen Kontakt mehr und das ist gut so.

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Viele Paare bleiben nur der Kinder wegen noch zusammen… so jedenfalls wird es von ihnen erklärt. Ich persönlich bin der Meinung, dass eine zerrüttete Beziehung schlechter für Kinder ist als eine Trennung. Allerdings wenn solche Verhätnisse entstehen wie bei meiner Freundin, dann läuft etwas gewaltig schief. Es ist wichtig für die Kids zu wissen, dass sie noch beide Elternteile haben, auch wenn die Familie nicht mehr zusammenlebt. Die Kinder können schließlich nichts dafür, wenn es mit den Eltern nicht mehr klappt.

21. Dezember 2011