Wie der Geschlechterkampf in Studium und Beruf heute aussieht

Im Laufe der Jahre haben Männer und Frauen schon etliche Schlachten gegeneinander ausgefochten. Unter anderem solche für die faire Gleichbehandlung, moderne Rollenverteilung und sexuelle Selbstbestimmung. Obwohl sich die Frauen zunächst im studentischen Leben im Geschlechterkampf behaupten können, hinken sie im späteren Berufsleben zumindest beim Einkommen noch immer hinterher.

Frauen gelten in typischen Männerberufen noch immer als unerwünscht

Selbstverständlich gibt es im Geschlechterkampf Berufe, in denen Männer oder Frauen dominieren. Und beiden Geschlechtern ist es durchaus zuzutrauen, dass sie in einem „geschlechteruntypischen“ Feld erfolgreich Fuß fassen. Dennoch: ambitionierten weiblichen Bewerbern fällt es nach wie vor schwer, sich in typischen Männerberufen gegen das vermeintlich stärkere Geschlecht zu behaupten. Dieser Umstand hängt vornehmlich mit den tief in der Psyche verankerten traditionellen Rollenbildern, aber auch mit falschen Vorstellungen zusammen.

Ein gutes Beispiel für dieses Dilemma bilden die beliebten und erfolgversprechenden MINT-Studiengänge. Studien ergeben, dass junge Abiturientinnen diesen Studiengängen ebenso wie handwerklichen Ausbildungen wie Lackierer oder Mechatroniker skeptisch gegenüberstehen. Einige Jahre später kommt der mehr oder weniger subtile Geschlechterkampf auch in den Universitäten zum Vorschein.

Geschlechterkampf an der Universität lebt von großen Fragen

An der Universität angekommen, beschäftigt sich der Geschlechterkampf insbesondere mit großen Fragen. Frauen und Männer diskutieren und verhandeln die Spielregeln, in welcher akademischen Welt sie leben (wollen) – und warum das Geschlecht dabei eine gravierende Rolle spielt. Zwar bestimmt das biologische Geschlecht zunächst einmal, ob jemand als Mann oder Frau, Student oder Studentin, angesehen wird. Doch letztendlich bestimme das Gender, also die gesellschaftlichen Konventionen, wie gut oder schlecht Studenten mit ihrem biologischen Geschlecht gesamtgesellschaftlich leben. Oftmals sind es Studentinnen, die sich von alltäglichen Zwängen umgehen und in unangenehme Schablonen gepresst fühlen. Chauvinistische Witze fallen gern mal unter den Tisch, schließlich gelten Frauen mit Mut zum Wort oftmals als feministisch-militant. Oder das Gegenteil tritt ein: Aufmerksamkeit auf den Uni-Campus für das, was eigentlich keiner Aufmerksamkeit bedarf. So gelten sogenannte Unisex-Toiletten längst als geschlechterumkämpftes Schlachtfeld im modernen Abendland. Selten betrachten Außenstehende im Geschlechterkampf diesen Ort als das, was er Gedanken zufolge sein soll: Ein entideologisierter Platz für alle Menschen, unabhängig von Geschlechter- und Genderfragen.

26. Februar 2020